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Montag, 1. Juni 2015

Neue Fernsehnorm nimmt Fahrt auf

Seit November 2014 bekommt die Einführung von DVB-T2 Konturen: Der 31. Mai 2016 wird Stichtag für den Sendebeginn der ersten Multiplexe genannt. Endlich gibt es auch für Antennenzuschauer - immerhin sind das zehn Prozent der TV-Haushalte - HDTV-Programme von ARD, ZDF und privaten Veranstaltern - gerade rechtzeitig zur Fussball-EM. Die Vergabe einer Plattform-Lizenz an Media Broadcast im März 2015 leitet den Umstieg ein.



Die HDTV-Programme von ARD und ZDF werden frei empfangbar sein. Die privaten Programmanbieter werden eine gemeinsame Plattform für Vermartkung ihrer grundverschlüsselten HDTV-Programme etablieren, um ihre auf den anderen (HD+ via Satellit, HD-Zubuchungen im Kabel), Verbreitungswegen kostenpflichtigen HDTV-Kanäle nicht zu kannibalisieren. Die Mehrkosten für dieses Plus an Bildqualität muss man wohl in Kauf nehmen. Attraktiv könnte das für die Zuschauer in einigen Regionen werden, die terrestrisch bisher keine Privatprogramme empfangen können. Denn die Plattform-Programme sollen über die bisherigen DVB-T Ballungsgebiete hinaus auch in „Mittelzentren“ verbreitet werden.

Auch per Antenne: Private HDTV-Programme grundverschlüsselt und ...
Für die geplante Plattform der Privaten, wie für ARD, ZDF und die Landesrundfunkanstalten, stehen je drei Kanäle bzw. Multiplexe zur Verfügung. Wieviele HDTV-Programme untergebracht werden, hängt von den Sendeparametern ab. Deren Auswahl ergibt sich aus den 2014 begonnenen Tests in Berlin, München und NRW. Neben der neuen HDTV-Qualität wird mit Sicherheit die Zahl der Programme in allen Terrestrik-Regionen steigen: Im Vorfeld ist von bis zu sieben HDTV-Programmen je Kanal die Rede.

... als Plattform-Angebot
Die Ausschreibung des Plattform-Betriebs erfolgte im November 2014. Mit der Media Broadcast gab es nur einen Bewerber, der im März 2015 erwartungsgemäß als Betreiber bestätigt wurde. Damit war der Startschuß für konkrete Planungen gefallen.

Mit der ProSiebenSat1- als auch die RTL-Gruppe sowie dem Discovery Channel haben drei private Programmfamilien avisiert, sich an einem Plattform-Projekt beteiligen zu wollen. Media Broadcast kann nun das Programmpaket zusammen stellen. Dafür können ohne Weiteres Programme mit bundesweiter Sendeberechtigung ins Paket aufgenommen werden. Die Landesmedienanstalten haben außerdem angedeutet, dass es auch frei empfangbare Privatsender geben könnte. Das könnte auch regionale Programmveranstalter betreffen, denen in Abstimmung mit den Landesmedienanstalten Programmplätze auf regionaler Ebene einzuräumen sind.

Umstieg und Frequenzverlust
Für die Digitalisierung der Antenne hatte man ich von August 2002 bis zur Abschaltung der letzten Grundnetzsender im November 2008 noch gut sechs Jahre Zeit nehmen können. Für den Wechsel auf DVB-T2 stehen jedoch nur drei Jahre zur Verfügung. Hintergrund ist die Gier des Mobilfunks nach mehr Kapazitäten und die dem Rechnung tragenden Breitbandziele der Bundesregierung.

Die Bundesnetzagentur versteigert das UHF-Teilband oberhalb von 700 MHz (ab Kanal 49) ab Ende Mai 2015. Sie sollen dem Mobilfunkt so frühzeitig wie möglich übergeben werden, um eine flächendeckende Breitbandversorgung bis 2018 zu erreichen. Dem dadurch entstandenen Druck auf die Zeitplanung des Umstiegs und die Dauer von Simulcasts sind die Öffentlich-rechtlichen entgegen gekommen: Sie haben den Abschluß des Umstiegs von Ende 2020 auf den 30. Juni 2019 vorgezogen. Unmittelbar danach könne der Mobilfunk seine neuen Frequenzen übernehmen.

Ablaufplanung für den Umstieg
Mit der Plattform-Entscheidung wurden Eckwerte der Einführungsstrategie bekannt. Im Mai 2016 soll eine Pilotphase mit den wichtigsten öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen in HDTV einsetzen, so die Medienanstalten. Das dient wohl auch dazu, im Handel die neue Technik vorzuführen.

Media Broadcast plane den Beginn der Umstellung der DVB-T Kapazitäten ab dem Frühjahr 2016, beginnend in den Ballungsräumen. „Dies ermöglicht dann bereits die Verbreitung privater TV-Programme. Die öffentlich-rechtlichen Anbieter wollen 2017 mit der Migration zu DVB-T2 starten. Mitte 2019 soll die Migration vollständig abgeschlossen sein.“

Die Plattform der Privaten soll ab dem ersten Quartal 2017 starten, während ARD und ZDF einen etwas längeren Simulcast planen. In einigen Veröffentlichungen wird weiterhin klar gestellt, dass etwaige lokale und regionale privaten Programme wie ARD und ZDF unverschlüsselt ausgestrahlt werden sollen.

Mit der Veröffentlichung weiterer Einzelheiten ist zur Funkausstellung im September 2015 zu rechnen. Erst dann kann man Genaueres über das eingesetzte Verschlüsselungsverfahren und zu den Kosten und Konditionen sagen, die den Zuschauer abverlangt werden.

Ob unter diesen Umständen eine verbraucherfreundliche Zeitplanung für den Umstieg auf DVB-T2 möglich ist, bleibt abzuwarten. Beim Umstieg von analog auf DVB-T gab es zwar - nachdem sich ein positiver Trend abzeichnete - in vielen Regionen einen harten Umstieg. Jedoch hatte man sich für die gesamte Einführung etwa sechs Jahre Zeit gelassen. Insofern dürfte eine früh einsetzende Marketing-Kampagne zu einem Schlüssel für den Erfolg von DVB-T2 werden. Die Umstiegsstrategie sollte jedenfalls darauf zielen, die bisherigen Antennen-Zuschauer - immerhin etwa zehn Prozent der Fernsehhaushalte - in die neue Technikzeit mitzunehmen.

Erweiterung der Versorgung auf „Mittelzentren“
Damit sich die neue Plattform wirtschaftlich lohnt ist eine Erweiterung der Empfangsgebiete sinnvoll. Im Vorfeld ist von „Mittelzentren“ die Rede, in denen die Plattform über die bisherige Präsenz der Privaten in den Ballungsgebiten hinaus, gesendet und vermarktet werden soll. Genannt wurden:
  • Baden-Württemberg Baden-Baden, Reutlingen, Pforzheim, Heilbronn, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Ulm. Eine in etwa den Regierungsbezirken entsprechende Regionalisierung ist erwünscht.
  • Bayern Augsburg, Regensburg, Würzburg.
  • Brandenburg Cottbus.
  • Hessen Kassel, Darmstadt.
  • Mecklenburg-Vorp. Schwerin, Rostock.
  • Niedersachsen Göttingen, Osnabrück.
  • Nordrhein-Westfalen Aachen, Bielefeld, Münster. Die Staatskanzlei nennt zusätzlich Gütersloh, Hagen, Iserlohn, Paderborn und Wuppertal.
  • Rheinland-Pfalz Ludwigshafen, Kaiserslautern, Koblenz, Trier. Für Rheinpfalz, Westpfalz, Rheinhessen, Trier und Koblenz werden Regionalisierungen gewünscht.
  • Saarland Saarlouis, Neunkirchen.
  • Sachsen Leipzig*, Dresden, Chemnitz.
  • Sachsen-Anhalt Halle*, Magdeburg.
  • Schleswig-Holstein Schleswig.
  • Thüringen Jena, Erfurt, Weimar, Gera.

  • Hier sowie in Stuttgart wurde das grundverschlüsselte RTL-Paket Viseo+ mit DVB-T/MPEG-4 bis Ende 2014 kostenpflichtig angeboten.


Neue Empfangsgeräte für HDTV mit HEVC nötig
Weltweit erstmals wird in Deutschland der HEVC (H.265) Codec im Regelbetrieb mit DVB-T2 verwendet werden. Dieser Codec ermöglicht es, bis zu sieben HD-Programmen je Multiplex und ohne Abstriche an die Qualität des TV-Bildes auszustrahlen.

Geeignete Empfangsgeräte wird es im größerem Umfang erst geben, wenn feststeht, welche Verschlüsselung die Plattform der Privaten verwendet. Zwar sind zumindest die unverschlüsselten Testsendungen von ARD und ZDF, z.B. in Berlin, mit einigen wenigen hochpreisigen Fernsehern empfangbar, die ab Ende 2014 mit 4k-Bildauflösung, dem HEVC-Codec und DVB-T2 Empfang ausgestattet sind. Der Kauf von Fernsehern mit Blick auf DVB-T2 scheint aber erst sinnvoll, wenn klar ist, welches Verschlüsselungsverfahren ausgewählt wird und, wenn damit ausgestattete Geräte erhältlich sind. Das gilt noch mehr für Settopboxen, die in Verbindung mit HDTV-Fernsehern verwendet werden können.

Fest davon ausgegangen werden kann, dass via DVB-T2 wiederum Hybriddienste eingebunden werden. Es ist schon im Interesse des Betreibers Media Broadcast (und technisch unproblematisch) die HbbTV-Multithek auch mit der neuen Terrestrik-Generation weiter zu führen.

Perspektiven: Diskussion um die Bildqualität
Interessant in dem Zusammenhang ist eine Diskussion von Fachleuten, die eine 4k-Auflösung (d.h. die vierfache Pixelzahl, verglichen mit dem Bedarf von HDTV und DVB-T2) für Fernseh-Sendungen in Frage stellt. Es sei „der sichtbar bessere Kompromiss, 4K-Displays zu verkaufen, Produktion und Übertragung mit HDR (und vielleicht auch HFR) indessen über 1080p50 abzuwickeln“. Im Klartext: HDTV mit einem erweitertem Kontrastumfang (HDR) und erhöhter Bildfrequenz (HFR) bringt auf Displays im Haushalt mehr, als die höhere Bildauflösung. Dieser Gedanke, der auch die mit DVB-T2 von den Privaten bevorzugte Ausstrahlung im Halbbildmodus angreift, zeigt Perspektiven für die weitere Entwicklung von HDTV (und damit auch von DVB-T2) auf.

Multithek
Die multithek ist eine HbbTV-Plattform von Media Broadcast. Sie wird derzeit via DVB-T und DVB-S (Astra 19,2° Ost) verbreitet. Via DVB-T erfolgt die Verbreitung in den gemischten privaten Multiplexen der jeweiligen DVB-T-Inseln.

Die multithek bietet dabei dem Anwender Zugang zu diversen Mediatheken und TV-Sendern. Zu den Inhalten gehören beispielsweise die ARD Mediathek und die zdfmediathek sowie weitere Fernsehkanäle wie Bloomberg TV oder das Musikfernsehen Putpat. Zudem bietet die multithek einfachen Zugang zu Nachrichten- und Informationsportalen, zu Shoppingkanälen, dem Spielecenter itsmy. TV und Kymba, einem Video-On-Demand Portal speziell für Kinder. Neben der herkömmlichen Fernsehbedienung kann das TV-Angebot auch über eine mobile Webapp via Smartphone und Tablet gesteuert werden.

Für den Empfang von HbbTV wird ein Zugang zum Internet und ein HbbTV-fähiges Endgerät benötigt; ansonsten sieht der Anwender nur ein Testbild.