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Sonntag, 18. August 2013

Kleine Schädlingskunde: "Crypto Wars"

In den USA begann der Kampf gegen Volks-Verschlüsselung schon in den Neunziger Jahren. Er wurde mit einem Gesetzesvorschlag im US-Senat eröffnet. Anbieter elektronischer Kommunikationsdienste sollten verpflichtet werden, Behörden die Möglichkeit zum Zugriff auf jede Art elektronischer Kommunikation zu verschaffen. Das Gesetz scheiterte schließlich am Widerstand von Bürgerrechtlern und Industrie. Aber es motivierte einen Softwareentwickler namens Phil Zimmermann dazu, sich über Verschlüsselung für jedermann Gedanken zu machen. Zimmermann entwickelte den Standard PGP (das steht für pretty good privacy, ziemlich guter Datenschutz), mit dem bis heute E-Mails und anderes sicher verschlüsselt wird. Sogar NSA-Enthüller Edward Snowden empfiehlt PGP.

1991 stellte Zimmerman seine Software kostenlos zur Verfügung. Dann wurde ein Verfahren gegen ihn eröffnet, das sich drei Jahre hinzog. Der Vorwurf: Er exportiere Verschlüsselungstechnologie, die wie Waffentechnologie einzustufen sei. Der Fall wurde fallengelassen, und heute gilt weder der Export noch die Benutzung von Kryptographie-Technik in den USA als Verbrechen. Doch das wurde nur auf Druck von Bürgerrechtlern erreicht. Etwa um die gleiche Zeit machte die NSA einen eigenen Vorschlag, um ihr Verschlüsselungsproblem zu lösen: Hersteller von Telefonanlagen sollten einen von der NSA entwickelten Chip zur Verschlüsselung einsetzen. Der Trick: Für diesen sogenannten Clipper Chip gab es einen Nachschlüssel, auf den der Geheimdienst oder Strafverfolger bei Bedarf hätten zugreifen können. Das Projekt wurde heftig kritisiert und verschwand gegen 1996 sang- und klanglos von der Bildfläche. Mittlerweile verschafft sich die NSA Hintertüren auf anderem Weg.