Google+ Adolphsdorf - Das freundliche Dorf im Teufelsmoor: Wir platzen aus allen Nähten! Google+

Mittwoch, 30. Mai 2012

Wir platzen aus allen Nähten!

"Wir platzen aus allen Nähten." Das sagte Kathrin Schulze, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Lilienthal-Worpswede-Grasberg, in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Pro Jahr würden im Katzenhaus am Scheeren in Lilienthal 100 bis 140 Katzen aufgenommen. Weil der Platz nicht reiche, müssten die Tiere teilweise privat untergebracht werden. Jetzt will der Verein ein neues Katzenhaus am gleichen Standort bauen. Das, so Schulze, wird schätzungsweise 160000 Euro kosten. Die drei Gemeinden sollten 45000 Euro übernehmen. Auf Grasberg entfallen davon 10000 Euro.Die Unterbringung von Fundtieren ist eigentlich Sache der Kommunen, wie Reinhard Wischhusen, der allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin, in der Ausschusssitzung erklärte: "Die Gemeinde muss Fundtiere aufnehmen, weil sie das Fundamt ist."

Grasberg zahlt 1500 Euro

Wenn sich kein Eigentümer meldet, werden die Tiere an den Tierschutzverein weitergegeben, der den Gemeinden die Aufgabe der Betreuung 1982 abgenommen hat. Grasberg zahlt dem Tierschutzverein dafür im Jahr 1500 Euro, sagte Kathrin Schulze. Die Gesamtkosten lägen aber bei 45000 Euro im Jahr, 80 Prozent davon trage der Verein selbst. Das Katzenhaus am Scheeren werde seit 30 Jahren ausschließlich vom Tierschutzverein finanziert. Es besteht aus mehreren Holzhäusern, die teilweise nicht beheizbar sind, sowie aus Außengehegen.

Jetzt soll ein neues Haupthaus mit einer Nutzfläche von 85 Quadratmetern gebaut werden, das zwei große Katzenstuben, eine Futterküche und ein kleines Büro enthalten soll. Das alte Haupthaus bleibt zur Unterbringung von alten Katzen, die nicht mehr vermittelt werden können, erhalten, ebenso die Quarantänestation. Die Baupläne seien bereits mit dem Veterinäramt des Landkreises abgesprochen, erklärte Kathrin Schulze. "Wir müssen dringend etwas tun."

Hermann Bohling (SPD) sprach sich dagegen aus, dass die Gemeinde sich an den Baukosten beteiligt. "Ich sehe noch nicht ein, dass wir dieses Geld ausgeben, wenn für Kinder und Jugendliche kein Geld da ist." Die anderen Ausschussmitglieder waren nicht dieser Meinung, so dass der Antrag des Tierschutzvereins mit sechs gegen eine Stimme zur Bewilligung empfohlen wurde.

In einem zweiten Antrag hatte der Tierschutzverein den Erlass einer Verordnung zu einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen gefordert. "Wir müssen die Vermehrung stoppen", sagte Kathrin Schulze in der Sitzung. Unkastrierte Kater könnten Katzen-AIDS und Leukose verbreiten. Katzen könnten zwei- bis dreimal im Jahr jeweils drei bis fünf Junge bekommen, deren Schicksal ungewiss sei. Wildlebende Katzenjunge gingen nicht selten mangels Pflege und Futter qualvoll ein. Deshalb sei es sinnvoll, freilebende Katzen anzufüttern, damit sie eingefangen und kastriert werden können. Wenn Katzen, die nicht ausschließlich im Haus gehalten werden, zusätzlich mit einer kleinen Tätowierung oder einem Mikrochip gekennzeichnet würden, könnten aufgefundene Tiere schneller an ihren Besitzer zurückgegeben werden.

Wenn die Gemeinde per Verordnung eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht einführe, könnte sie gegen Katzenhalter vorgehen, die ihre Tiere unkastriert ins Freie ließen, erklärte Kathrin Schulze, denn dann sei dies eine Ordnungswidrigkeit, für die Bußgeld fällig werde.

Jörg Plöger (SPD) meinte zwar: "Das ist das Sinnvollste, was es gibt", hielt den Erlass einer Verordnung aber für wenig erfolgversprechend. Die Gemeinde sei viel zu weitläufig, als dass die Einhaltung der Verordnung kontrolliert werden könne. Stattdessen solle besser bei Tierärzten und unter Nachbarn für eine Kastration geworben werden.

Auch die Gemeindeverwaltung hatte in ihrer Sitzungsvorlage vom Erlass einer Verordnung abgeraten. Man solle abwarten, welche Erfahrungen andere Kommunen damit machten, so der Beschlussvorschlag in der Sitzungsvorlage. Osterholz-Scharmbeck habe eine Verordnung eingeführt, in der Samtgemeinde Hambergen ist man ebenfalls auf dem Weg dahin, erklärte Bürgermeisterin Marion Schorfmann. Für Grasberg lehnte der Ausschuss eine Verordnung zumindest zum jetzigen Zeitpunkt einstimmig ab. [WK]

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