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Mittwoch, 30. Mai 2012

Jan-Reiners-Verein gibt auf

Im Gedenken an die einst zwischen Bremen und Tarmstedt verkehrende Kleinbahn hatte sich 2001 der nach dem Bahninitiator benannte "Jan-Reiners-Verein" gegründet. Jetzt steht der Verein kurz vor seiner Auflösung. Für den weiteren Bestand sahen die Mitglieder bei der jüngsten Jahreshauptversammlung keine Perspektive. Mit der Auflösung und einer Gedenktafel an der Dorfgemeinschaftshalle in Wörpedorf wollen die Mitglieder einen Schlussstrich ziehen.

"Es gab in den letzten Jahren kaum noch Aktivitäten", erklärt Reinhard Wischhusen, Schriftführer und allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, im Verlauf der jüngsten Jahreshauptversammlung im Rathaus resigniert. Auch zur diesjährigen Generalversammlung waren wieder nur wenige Mitglieder erschienen. Um die Geschäfte des Vereins ordentlich abzuwickeln, stellte Reinhard Wischhusen eine Idee vor, in der das Andenken an den Kleinbahngründer erhalten bleiben würde. Gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Wörpedorf, Joachim Behrens, habe man über eine Gedenktafel nachgedacht, die auf dem Gelände der Dorfgemeinschaftshalle am Ende der Wörpedorfer Straße aufgestellt werden solle. Anstelle von Aluständern solle die Gedenktafel mit Informationen über das Leben Jan Reiners, an zwei Originalschienen befestigt werden. Johann Thölken möchte dazu einen Gedenkstein stiften, der unterhalb der Tafel aufgestellt werden könnte. Diesem Vorschlag stimmten alle anwesenden Mitglieder einstimmig zu.

Die Auflösung des Vereins soll nach den Worten Wischhusens dann bei der Einweihung der Tafel spätestens im September geschehen, zu der noch einmal alle Mitglieder des Vereins eingeladen werden. Bücher, Bilder und Filme sowie das Restvermögen des Vereins sollen dann an die Dorfgemeinschaft Wörpedorf übergehen.

Heute erinnert lediglich der Fahrradweg zwischen Bremen und Lilienthal sowie einige Gaststätten, die an der Wegstrecke als Bahnhofsgaststätte errichtet wurden, an die Schmalspurbahn. Die Lokomotive des Eröffnungszuges trug den Namen des Ideengebers der Bahnlinie, des in Lilienthal ansässigen Ökonomierates Johann Reiners (1825 bis 1908), der sich stark für den Bau dieser Bahn eingesetzt hatte. Die Verbindung aus dem Moor in die Stadt wurde umgangssprachlich als "Jan Reiners" bezeichnet. Die Lokomotive verkehrte von 1900 bis 1956 zwischen Bremen und Tarmstedt. Johann Thölken kann sich noch genau erinnern, wie er als Lehrling von Tarmstedt nach Bremen fuhr: "Eigentlich dauerte die Fahrt eineinviertel Stunden, aber man konnte oft noch eine Viertelstunde drauflegen". "Und während der Fahrt Blümchen pflücken", ergänzte ein Nachbar aus Tüschendorf schmunzelnd.

1954 fuhr der letzte Zug nach Lilienthal, zwei Jahre später war auch die Verbindung nach Tarmstedt nur noch Geschichte. Aus wirtschaftlichen Gründen und weil das Auto der Bahn den Rang abgelaufen hatte. Die Geschichte des vor elf Jahren gegründeten Jan-Reiners-Vereins war wechselhaft. Nach dem Tod des Gründers Rudolf Schmidt im Jahr 2003 wählten die Mitglieder den Eickedorfer Carsten Ahrens zum neuen Vereinschef. In der Folge musste ein enormer Fundus gesichtet und geordnet werden. Darüber hinaus wollte der Verein verstärkt an die Öffentlichkeit gehen. Angedacht war eine gemeinsame Runde mit Eisenbahnfreunden aus Tarmstedt, Grasberg und Lilienthal. Eine Idee, der auch der Lilienthaler Heimatverein aufgeschlossen gegenüber stand. Zum Kapital des Jan-Reiners-Vereins gehört die Jan-Reiners-Stube in einer Gaststätte an der Wörpedorfer Straße 52. In dem Gebäude nahe der ehemaligen Bahnlinie am Abzweig nach Tüschdorf sind unter anderem viele Fotografien und Utensilien, darunter auch Original-Schienenstücke der Bahn ausgestellt. Dort bietet der Verein auch diverse Bücher über die vor 112 Jahren in Betrieb genommene Verbindung vom Bremer Parkbahnhof bis Tarmstedt an. Außerdem informiert ein Video über die Geschichte des Verkehrsmittels.

Der Verein trat indes wenig in Erscheinung. Zu den Jahreshauptversammlungen erschienen nur wenige Mitglieder, bereits 2004 wurde in einer Zusammenkunft über die Auflösung diskutiert. Jetzt soll spätestens in diesem September ein Schlussstrich gezogen werden, wie Reinhard Wischhusen im Verlauf des jüngsten Treffens ankündigte. [WK]

Interessante Fotos zur Geschichte der Jan-Reiners-Kleinbahn  /  GoogleMap