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Donnerstag, 24. Februar 2011

Ärger um längerfristige Telekom-Verträge

Beim Ausbau der Breitbandversorgung in der Region hat der Landkreis Osterholz offenbar die Rechnung ohne die Deutsche Telekom gemacht. Deren Kunden, die sich schon darauf gefreut hatten, ab Ende des Jahres flott im Internet unterwegs zu sein, fühlen sich vom Konzern ausgebremst. VDSL-Anschlüsse werden vom Telekom-Konzern bis dato in den Ausbau-Gebieten des Landkreises nicht angeboten. Vage sind die Aussichten, dass sich daran etwas ändert. Gekniffen sind all jene, die längerfristige Verträge mit der Telekom abgeschlossen haben und erst nach deren Ablauf zu einem anderen Anbieter wechseln können.

Bekanntlich ist das Telekommunikationsunternehmen EWE Tel derzeit im Auftrag des Landkreises Osterholz und mit öffentlicher finanzieller Förderung damit beschäftigt, die Breitbandinfrastruktur im Landkreis in jenen Gebieten auszubauen, in denen es bislang noch kein schnelles Internet gegeben hat.

Mehr als 14000 Haushalte können nach Angaben des Unternehmens von dem neuen Netz profitieren, bei dem Glasfaserkabel bis zu den Kabelverzweigern zum Einsatz kommen. Bis zum Ende des Jahres soll die neue Breitbandversorgung zur Verfügung stehen, so dass dann nahezu alle "weißen Flecken" auf der Landkreiskarte getilgt sein sollen.

Für den Tüschendorfer Landwirt Henning Detjen wird es wohl noch bis weit ins neue Jahr hinein nur ein Traum bleiben, mit Hochgeschwindigkeit im Internet unterwegs zu sein. Der 31-Jährige hat einen Zwei-Jahresvertrag mit der Telekom über eine vergleichsweise langsame ISDN-Verbindung abgeschlossen, der noch bis zum Mai 2012 läuft.

Als Detjen davon hörte, dass das Breitband in der Grasberger Ortschaft bis Ende 2011 ausgebaut werden soll, war er schon voller Vorfreude. Endlich würde er beim Herunterladen von Kartenmaterial für seine EU-Förderanträge oder von Programm-Updates sowie der Registrierung seiner Kälber nicht mehr viel kostbare Zeit vor dem Bildschirm verlieren.

Doch dann kam die ernüchternde Nachricht von der Kunden-Hotline, dass die Telekom seinen Wunsch nach einem schnellen Internet-Anschluss nicht erfüllen wird. Gerne, so betont er, wäre er weiter Telekom-Kunde geblieben. Doch angesichts der Auskunft hat Bauer Henning Detjen keine andere Möglichkeit gesehen, als den Anbieter zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu wechseln. Alle Versuche, aus dem Vertrag mit der Telekom vorzeitig herauszukommen, scheiterten, berichtet Henning Detjen.

Auch die Grasberger Bürgermeisterin Marion Schorfmann biss auf Granit, als sie in diesem Fall weiterhelfen wollte: Sie hatte über eine "Bürgermeister-Hotline" mit der Telekom Kontakt aufgenommen. Mit dem Mann am anderen Ende der Leitung habe es ein intensives Gespräch gegeben, doch unterm Strich sei nichts herausgekommen. Erfahren habe sie, dass die Telekom VDSL-Anschlüsse in diesem Gebiet nicht anbieten werde, weil es aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn mache. Auch hoffte Grasbergs Bürgermeisterin Marion Schorfmann vergeblich auf ein Entgegenkommen bei der Frage des vorzeitigen Ausstiegs aus den Verträgen. "Es geht hier ja nicht darum, dass jemand den Anbieter wechseln will, weil er damit günstiger fährt oder ihm die Farbe der Telefonrechnung nicht gefällt. Es ist dem Umstand geschuldet, dass die Telekom ein solches Produkt im Ausbaugebiet nicht anbietet", sagt Marion Schorfmann.

Vielleicht kommt aber doch noch Bewegung in die Sache. Denn anders als der Vertreter der Telekom in der "Bürgermeister-Hotline" lässt die Pressestelle des Konzerns in Hamburg wissen, dass es derzeit Gespräche mit EWE Tel über die Nutzung der Glasfaser-Infrastruktur und die Möglichkeiten gebe, eigene VDSL-Anschlüsse über die Leitungen der Konkurrenz anzubieten. Klar ist, dass die Telekom nicht verpflichtet ist, ein solches Angebot zu machen. Bei EWE Tel bestätigt man, dass es einen Kontakt gibt. Allerdings gehe es derzeit darum, generelle technische Möglichkeiten und Details für den Netzzugang zu klären. Eine konkrete Anfrage der Telekom, das neue Netz von EWE Tel im Landkreis Osterholz mitzubenutzen, gibt es nach Aussage des Oldenburger Telekommunikationsunternehmens bisher nicht.

EWE Tel stellt die eigene Netzinfrastruktur seinen Wettbewerbern gegen ein Entgelt zur Verfügung. "Der Netzzugang wird diskriminierungsfrei bereitgestellt, das heißt zu fairen, den Förderbedingungen entsprechenden Bedingungen", betont Pressesprecherin Kristina Knollmann. Die Regulierungsbehörde ist in diesem Fall außen vor, weil EWE Tel nicht als marktbeherrschendes Unternehmen eingestuft wird. Das bedeutet unter anderem, dass EWE Tel die Preise für die Nutzung der Infrastruktur mit möglichen Interessenten frei aushandeln kann, während zum Beispiel die Telekom wegen ihrer Marktvorherrschaft für die Bereitstellung ihrer Kupferleitungen nur festgelegte Entgelte verlangen kann. EWE Tel sichert zu, von Dritten, die einen Netzzugang erhalten möchten, angemessene Preise zu verlangen.

Grundsätzlich weist EWE Tel darauf hin, dass jedes Telekommunikationsunternehmen vor einer Nutzung des Glasfasernetzes eines Dritten prüfen muss, ob und inwieweit dies wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Kosten für die Anpassung der Informationstechnologie und sonstige Technik müssen von den Einnahmen im jeweiligen Fördergebiet gedeckt werden. Diese Voraussetzung sei insbesondere in den dünn besiedelten Fördergebieten, den sogenannten weißen Flecken, nicht immer gegeben. LUTZ RODE / Wümme-Zeitung